Strain Gauge – Aus Prinzip überlegen

Ein gänzlich anderes Wandlerprinzip verwendet Soundsmith bei den Strain Gauge-Tonabnehmern. Strain Gauges funktionieren komplett anders als andere Tonabnehmer – ein SG-Tonabnehmer ist kein Generator, sondern ein variabler Widerstand. Bei den Soundsmith SG-Tonabnehmern sind am Nadelträger zwei winzige Siliziumkristalle befestigt. Durch die Auslenkungen der Nadel in der Plattenrille wird jeweils einer der Kristalle minimal gedehnt und der andere ebenso minimal gestaucht.

Dadurch verändern sich die elektrische Charakteristik des Siliziums: Dehnung erhöht den Widerstand, durch Stauchung sinkt er. Lässt man nun einen konstanten Strom durch die beiden Plättchen fließen, so resultiert aus dem veränderten Widerstand gemäss Ohm’schem Gesetz eine variable Spannung – das Phonosignal, das nur noch linear verstärkt werden muss. Linear deshalb, weil SG-Systeme sogenannte Wegaufnehmer (displacement transducer) sind; dies im Gegensatz zu Generatorsystemen, die als Schnellewandler (velocity transducer) operieren. Dazu ein kleiner, stark vereinfachender Exkurs:

Beim Schneiden der LP wird das Signal gemäss RIAA so vorverzerrt, dass die Schnelle der Auslenkungen von den höchsten Frequenzen bis zu den tiefsten um jeweils 6 dB pro Oktave abnimmt; lediglich Signale unterhalb 50 Hz und zwischen 500 und 2122 Hz werden linear geschnitten. Mit einem Generatorsystem muss dieser Abfall von 6 dB/Oktave bei der Wiedergabe wieder kompensiert werden – das übernimmt die RIAA-Entzerrung in der Phonostufe. Ein Wegaufnehmer hingegen «sieht» auf einer LP eine konstante Auslenkung; die Soundsmith SG-Systeme reproduzieren das RIAA-verzerrte Signal auf der LP deshalb aus Prinzip linear; das Signal muss also nur noch unterhalb von 50 Hz und zwischen 500 und 2122 Hz leicht entzerrt werden, um exakt der RIAA-Kurve zu entsprechen.

Der grosse Vorteil des SG-Prinzips gegenüber den Generator-Tonabnehmern liegt auf der Hand: Die bewegte Masse eines SG-Tonabnehmers ist viel kleiner; der Nadelträger trägt keinen schweren Rucksack namens Magnet oder Spule und kann deshalb viel schneller anhalten, beschleunigen und die Richtung wechseln.

In anderen Worten: Die Abtastfähigkeit, Impulstreue und Phasenkohärenz eines SG-Tonabnehmers sind einem Generatorsystem prinzipbedingt überlegen.

SG-Tonabnehmer brauchen eine spezielle Stromversorgung, sie können also
nicht einfach an einen Phono-Eingang angeschlossen werden. Deshalb offeriert Soundsmith seine SG als komplettes System, bestehend aus Tonabnehmer und Stromversorgung/Vorverstärker, der am Ausgang ein Hochpegelsignal liefert. (Die beiden LEDs im Tonabnehmer zeigen sofort, ob die Stromversorgung auf beiden Kanälen richtig funktioniert.)

Da ein SG-Tonabnehmer ohne bewegte Teile auskommt, ist seine Lebensdauer praktisch unbeschränkt. Der Nadeleinschub des Soundsmith-SG kann mit einem Handgriff getauscht werden; eine clevere Magnethalterung sorgt dafür, dass die jeweils auf den Tonabnehmer individuell angepassten Einschübe perfekt passen. Als Standard wird das System mit einem CL-geschliffenen Diamanten auf Rubinnadelträger geliefert. Zur Wahl stehen aber auch Einschübe mit OC-CL-Schliff und Rubinnadelträger sowie nackte und gefasste Diamanten mit konischem, elliptischen und Shibata-Schliff auf Aluminium-Nadelträgern plus ein für Schellack-Platten optimierter Nadeleinschub.

SG-Tonabnehmer harmonieren mit allen mittelschweren bis schweren Tonarmen und kann mit der normalen Verkabelung verwendet werden. Übrigens: Anders als bei Magnettonabnehmern hat das Tonarmkabel bei SG-Systemen praktisch keinen Einfluss auf die Klangqualität!